Meine Geschichte: Ein Weg aus der Krise
Hinter "Lebensweg" steht eine tief persönliche Reise, die mich dazu bewogen hat, Familien in schwierigen Zeiten beizustehen. Ich teile meine Erfahrungen, um Ihnen zu zeigen, dass Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine sind und dass ein Weg nach vorne möglich ist.

Als die Welt zusammenbrach
Mein 11-jähriger Sohn kämpfte mit einer schweren Drogenabhängigkeit, hatte keine Freunde und war sowohl ein Systemsprenger als auch kriminell. Alles begann harmlos, doch langsam eskalierte die Situation. Er war nur noch zum Umziehen und Duschen zu Hause, diese einst enge Verbindung zu uns schwand. Nach einer Überdosis folgte eine psychiatrische Einweisung, aus der er jedoch entlassen wurde, weil er dort nicht bleiben wollte. Er kehrte zurück auf die Straße, wo er andere Menschen ausnutzte.
Bandenmitglieder drohten mir, kamen zu uns nach Hause und versuchten sogar, meine kleine Tochter zu entführen. Trotz all dem wusste ich, dass das nicht mein Sohn war; in seinem Herzen war er gut und er wollte mich niemals zum Weinen bringen. Nächte lang lag ich wach und wartete auf ihn. Würde er nach Hause kommen? War er tot oder verletzt, irgendwo allein und ohne Hilfe?

Unerhörte Gedanken und ungesagte Ängste
Ich hatte Gedanken, die ich niemandem anvertrauen konnte – Gedanken, für die ich mich schämte.
Oft dachte ich: "Bitte, lass ihn ins Gefängnis gehen – dort ist er wenigstens sicher." Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, um solche Gedanken zu haben?
Ich gab ihm Geld, damit er nicht stehlen oder andere betrügen musste. Nach außen hin versuchte ich stark zu wirken und den Schein zu wahren, doch innerlich zerbrach ich langsam. Das Jugendamt riet mir sogar, ihn rauszuwerfen. Aber was passiert mit einem Kind, das niemanden mehr auffängt?
Mit 14 Jahren erlebte ich die erste Hausdurchsuchung. Das Haus wurde auf den Kopf gestellt, und er wurde in Handschellen abgeführt – in mir zerbrach alles. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde, aber ich war auf nichts davon vorbereitet. Jetzt war es soweit: Er musste mitgehen, und ich konnte nichts tun. Nach drei Monaten Untersuchungshaft kam er zwar wieder frei, doch nur für kurze Zeit. Nach zwei Monaten erlebten wir das gleiche Szenario erneut. Insgesamt verbrachte er fast fünf Jahre im Gefängnis.
Anfangs fühlte es sich an, als wäre er gestorben. Ich konnte sein Zimmer nicht betreten und vermied Orte, die uns einst glücklich gemacht hatten. Die Anklagen häuften sich, und die Zeit in Haft wurde immer länger. Jedes Mal, wenn er kurz vor der Entlassung stand, gab es ein Gerichtsverfahren. Die Besuche waren schrecklich: 20 Minuten hinter einer Glasscheibe, während andere darüber entschieden, ob ich mein Kind überhaupt sehen konnte. Ich hatte immer Angst, ihn zu treffen, weil ich es nicht ertragen konnte, ihn verletzt zu sehen. Ich musste gehen, während mein Kind bleiben musste – jedes Mal starb ein Stück von mir mit ihm.
Schließlich kam er mit 19 aus dem Gefängnis.
Heute weiß ich: Eltern brauchen einen Raum, in dem sie ehrlich sein dürfen – ohne Angst vor Verurteilung, ohne Scham. Genau diesen Raum möchte ich anderen heute bieten.

Ein Neuanfang und die Erkenntnis
Nach seiner Entlassung bekam er von einer Institution eine kleine Wohnung am Bahnhof - mitten im Umfeld, das ihn wieder zurückzog. Die Versuchung war überall, und leider fand er erneut den Weg in die Drogen. Trotzdem sagte er mir immer wieder, dass er clean sei, und ich wollte ihm glauben.
An seinem Geburtstag saßen wir noch zusammen, haben gelacht und schöne Momente miteinander erlebt. Jedoch konnte er das nicht ertragen, er glaubte das nicht verdient zu haben. Der Schmerz, die innere Leere und all das, was er mit sich herumtrug, wurden zu schwer. Er konsumierte so lange, bis sein Körper nicht mehr konnte und er eine Überdosis hatte. Ich fand ihn regungslos, wir fuhren in die Klinik, aber anstatt Mitgefühl bekam er Kälte und das Gefühl nichts Wert zu sein.
Er realisierte, wenn er dort bleibt, wird er sterben.
Darauf entschied er sich zu uns zu ziehen und brach alle Kontakte ab und hat Schritt für Schritt gelernt was ein normales Leben bedeutet - Nähe , Vertrauen. Er kannte das nicht. Manchmal wirkte er wie ein kleines Kind das laufen lernt